Leka Juni 2005

Nach dem ich im Dezember 2004 die Diagnose "Krebs" erhalten habe, war ich super froh, dass ich zwischen Chemo 3 und 4 einen weiteren Urlaub in Norwegen antreten durfte. Die Ärzte haben die vierte Chemo extra ein wenig verschoben :-) Ich war zwar nicht wirklich auf der Höhe, aber wollte trotzdem unbedingt mit. Wieder einmal nahmen wir die Fähre von Kiel nach Oslo und fuhren nach der Nacht auf der Fähre hoch nach Mittel-Norwegen. Am Abend angekommen nahmen wir die letze Fähre auf die Insel Leka und wurden von unserer Gastgeberin Lydia empfangen und ins Haus eingewiesen. Dieses mal waren es wieder 9 Mann. Und so quartierten sich Thomas, Dieter, Ralf, Klaus, Manfred, Johann, Georg, Bernhard und meiner einer in das Haus ein. Wir kamen ungefähr um 11 Uhr Abends an unserem Haus an, aber an diesem Breitengrad wird es im Juni nicht mehr dunkel. So ließen es Thomas und ich uns nicht nehmen und wir peitschten schon mal ein bisschen am Hafen ein paar Blinker durchs Wasser. Es haben sogar ein paar kleine Pollacks angebissen. Am nächsten Morgen gabs dann die Einweisung in die Boote und schon ging es raus aufs Meer. Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man nach einem Jahr Pause endlich wieder das erste Mal seinen Pilker in die Tiefe sausen sieht. Den ersten Tag waren wir mal wieder nicht so erfolgreich, was sich aber in den folgenden Tagen ändern sollte. Nachdem wir die Seekarte studiert haben und ein paar schöne Stellen etwas weiter draussen gefunden haben hatten wir ein paar tolle Angeltage. Wir fischten in Tiefen von 10 bis max. 40 Metern sehr erfolgreich auf Dorsch und Pollack. Mit dem Auflaufenden Wasser waren die Fische so in Beißlaune, dass es kaum möglich war den Grund zu erreichen. Das änderte sich mit der Ebbe wieder und so richteten wir unseren Tagesablauf nach den Gezeiten ein. Es wurde ja eh nicht dunkel. Kurz vor dem Gezeitenwechsel von Ebbe auf Flut saßen wir in unseren Booten und waren auf dem Weg hinaus aufs Meer. Ich war mal wieder der Käptain auf unserem Boot. So habe ich Ralf und meinen Vater recht erfolgreich mit unserem Benzin-Kajütenboot zum Fisch gebracht und wir haben viel gefangen. Der Rest der Truppe saß auf einer großen Dieselschnecke. Ich erholte mich von Tag zu Tag besser von der sch**ß Chemo und genoß den Urlaub in vollen Zügen. Störend war, dass ich mich komplett vor der Sonne verstecken musste und deswegen immer dick eingepackt im herrlichen Wetter rumstand. Weil mir die Kraft fehlte, hab ich irgendwann mein schweres Gerät zur Seite gelegt und fischte fast nur noch mit einer 80 Gramm Spinnrute und kleinen Holo-Pilker von 50 bis 100 Gramm (je nach Drift) ohne Beifänger. Das hat so gut funktioniert, dass nach kurzer Zeit mein Vater und Ralf mitmachten. Wir fingen so zwar etwas weniger Fische, aber wenn mal ein großerer dabei war, machte es umso mehr Spaß den Fisch am "leichten" Gerät zu drillen. Das andere Boot war nicht weniger erfolgreich und wir fingen auch viele Exoten. Klaus hat sogar einen kleinen Seeteufel gefangen und Thomas einen Steinbeißer. Ansonsten konnten wir Köhler, Dorsch, Pollack, Heilbutt, Leng und Lumb fangen. Ich habe einen kleinen Knurrhahn gefangen, den ich aber wieder frei gelassen habe. So verstrichen dieTage wie im Flug und es hieß bald Abschied nehmen von Leka. Am letzen Tag fuhren wir noch einmal über die Insel und haben sie uns ein wenig angeschaut. Eine sehr schöne, vielseitige Landschaft. Die Rückfahrt hat sich mal wieder sehr in die Länge gezogen und alle waren innerlich ziemlich durcheinander. Die eine Woche ohne Dunkelheit hat ihre Spuren hinterlassen und ich habe mich richtig auf die Fähre gefreut, weil es das wieder richtig dunkel wurde. Zuhause ging es dann für mich sofort wieder ins Krankenhaus zur vierten Chemo. Aber das ist ne andere Geschichte. Auf jeden Fall stand fest, dass Leka ein sehr gutes Revier ist und eine Reise wert ist.